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Lebendige Geschichte oder "Re-enactment"

Die Idee
Schule
Museum
Verklärung

Lebendige Geschichte
Museumspädagogik
Experimentelle Archäologie
Fazit

Die Idee

Die Geschichte ist neben der Sprache einer der wesentlichen Bausteine für unsere Identität. Vielleicht deshalb übt die Vergangenheit eine so großen Reiz auf viele Menschen aus. Aber wie stellen wir uns das Leben in frühereren Zeiten vor?

Eine Epoche, die Europa geprägt hat, war die Zeit der Koalitionskriege gegen das nachrevolutionäre und kaiserliche Frankreich. Das Ideal des Nationalstaates, allgemeine Bürgerrechte und die Wehrpflicht [Ja, auch die Konservendose, etc...] - sie alle entstanden im Zuge der Umwälzungen des europäischen Sozialgefüges, welches durch die französische Revolution und die nachfolgende Zeit der "Napoleonischen Kriege" verursacht wurde. Jene Epoche ist, bildlich gesehen, die Pforte zu unserer modernen, industrialisierten westlichen Zivilgesellschaft.

Mit einer lebendigen Darstellung jener Zeit beschäftigen sich napoleonische Re-enactor.


Schule

In der Schule hat man uns die markanten Eckdaten der Geschichtsschreibung in Form von Jahreszahlen und Großereignissen eingetrichtert. Noch heute können viele Schüler und Erwachsene zwar Jahreszahlen aufsagen, wie das berühmte: [333, bei Issos Keilerei]... Welcher Art diese [Keilerei] war? Zwischem wem und worum es ging? - Keine Ahnung !

Kaiserkrönung am..., Vertrag von..., Schlacht bei... Ein reales Abbild der Vergangenheit ist aus solch einer Anhäufung von Datenmaterial schlichtweg unmöglich. Auch der Versuch, zwischen den Zahlen eine Vorstellung von den jeweiligen Lebensumständen zu vermitteln, spricht in der Regel den Verstand an. Schulpraxis ist und bleibt die Vermittlung von abstraktem Wissen. Wen verwundert es, wenn nur wenige Informationen dauerhaft hängen bleiben?


Museum

Begeben wir uns ins Museum. Dort finden sich Schriftdokumente, überlieferte Gegenstände oder Kunstwerke, die zwar unsere Vorstellungskraft anregen, zugleich aber wieder nur einen begrenzten Einblick vermitteln. Gemälde und Wertgegenstände, die einen beträchtlichen Teil musealer Exponate ausmachen, werden vor allem unter künstlerischen, nicht historischen Aspekten betrachtet. Kaum einem Laien gelingt es, die gezeigten Stücke spontan in ihren damaligen Alltagsnutzen einzuordnen.

Hinzu kommt, dass die überlieferten Originalstücke selbst nach historischem Maßstab meist eine besondere Auslese darstellen. Da finden sich Prunkroben, edler Schmuck und Staubfänger in beachtlicher Zahl. - Im Alltag der damaligen Bevölkerungs-Mehrheit spielten diese kaum eine Rolle. Über die allgemeinen Lebensumstände jener Zeit sagen diese Gegenstände so gut wie nichts aus. Verständnis erzeugt der Besuch im Museum nur bruchstückhaft und am Ende bleibt [Geschichte] ein ebenso abstrakter Begriff, wie zuvor in der Schule. Die unmittelbare Folge ist, dass die Museen, von Schulklassen einmal abgesehen, unter akutem Besucherschwund leiden.


Verklärung

Eine mittelbare Folge ist, dass die Vergangenheit verklärt und märchenhaft idealisiert wird. So entsteht das romantische Bild der guten alten Zeit, einer heilen Welt, die irgendwie viel besser war als die heutige. Kommerzielle Mittelaltermärkte, Ritterfeste und Rokokofeste bedienen diese Klischees in Perfektion. Da fechten edle Rittersleut' und Musketiere um holde Damen in traumhaft-wallenden Kleidern, Marktschreier bieten die mittelalterliche Spreewaldgurke für Fantasiewährung ["Nur einen Silberling..."] und "Kräuterhexen" [sic!] lesen die Zukunft aus der Hand. Wie das Mittelalter wirklich war? - Egal!
Das Motto lautet: So schön hätte das Mittelalter zumindest sein können, ohne Dreck, Gestank, Pest und natürlich... Hexenverbrennung!

Aus dem Wunsch nach Orientierung und Leitbildern durch mythisch-pseudohistorische Identifikation hat sich noch ein weiterer Trend herausgebildet, das nachgespielte Fantasy-Erlebnis, sogenanntes Live-Action Role-Play, kurz: L.A.R.P. Hierbei gehen Geschichte, alte Mythen und Märchen vollends ineinander über.

Doch trotz aller möglichen Kritik. Gerade diese Trends weisen uns den derzeitig gangbaren Erfolgsweg, an dem sich auch jede seriöse Vermittlung historischer Fakten orientieren kann: Das Erlebnis mit allen Sinnen.


Lebendige Geschichte

Besucherinnen und Besucher möchte mehr denn je Ihre Geschichte 'be-greifen', indem sie sie mit allen Sinne erkundet. Hier setzt die Lebendige Geschichte an.

Sie erhebt den Anspruch, keine pseudohistorische Romantik sondern fundierte historische Fakten erlebbar zu machen. Ihr Grundsatz lautet: Das Leben der Vergangenheit verstehen, heisst das Leben der Vergangenheit nachempfinden. Ausgangspunkt sind dabei nicht die Besucher, sondern zunächst die Darsteller selbst. Sie schlüpfen in Ihre historische Rolle und müssen, um diese glaubhaft zu beleben, über ein ebenso umfangreiches Wissen wie eine umfangreiche materielle Ausstattung verfügen.

Als Hobby-Historiker erforschen einige von Ihnen die dargestellten Motive umfassend und sind so in der Lage, interessierten Zuschauern detailliert Zusammenhänge zu verdeutlichen. Mit möglichst originalgetreuer Nachbildung von Kleidung und Gegenständen überwinden Sie auf hohem Niveau das Glas der Museumsvitrinen, das die Originalstücke vor dem Verderb bewahrt. Auf diese Weise kann das Re-enactment als eine Brücke vom Museum zum Interessierten wirken. Leider finden sich Museen und Re-enactor nur sporadisch zur Zusammenarbeit bereit, obwohl die nachweislichen Erfolge in Darstellungs- qualität und Publikumswirksamkeit bei solchen Gelegenheiten jedem die Augen öffnen müssten.


Museumspädagogik

Immer mehr Museen haben indessen bemerkt, dass es in unserer reizüberfluteten Welt nicht mehr ausreicht, morgens die Tür zu öffnen und auf Besucher zu warten. Je nachdem, wie stark eine Museumsleitung ihren Bildungsauftrag wahrnimmt, im schlimmsten Fall aber auch erst aus haushaltspolitischen Zwängen, hat die Museumspädagogik in vielen Einrichtungen ihren Einzug gehalten. So ist man bemüht, Ausstellungen anschaulicher zu gestalten, richtet gemeinsame "Museumsnächte" aus und entwickelt Aktivprogramme, wie Kurse über alte Handwerkstechniken.

Generell besteht dabei die Tendenz, die vorhandenen wissenschaftlichen Mitarbeiter mit Entwurf und Umsetzung pädagogischer Konzepte zu betrauen. Daß hierbei nur bedingt die gewünschten Resultate erzielt werden, liegt auf der Hand. Erst dort, wo statt Geschichts- und Kunstgeschichtswissenschaftlern qualifizierte Pädagogen und Sozialpädagogen für die Vermittlung der Inhalte verantwortlich zeichnen, sind bessere Ergebnisse zu erwarten.

Viele Mitglieder der Hobbyszene der Lebendigen Geschichte sind an einer Einbindung in museums- pädagogische Aktivitäten interessiert. Zu oft jedoch verhindern Befindlichkeiten ein aktives Zusammen- wirken zum allseitigen Vorteil. Hier gilt es, noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.


Experimentelle Archäologie

Der Vollständigkeit halber soll auch die experimentelle Archäologie erwähnt werden. Sie rekonstrueirt auf wissenschaftlichem Niveau historische Objekte und Techniken und liefert so aufschlussreiche Daten über unsere Vergangenheit. Von Bedeutung für unser Bild der Vergangenheit sind ihre Erkenntnisse allemal. Leider verläßt sie den Elfenbeinturm der Wissenschaft viel zu selten in "begreifbarer" Form. Nur für wenige direkt eingebundene Fachleute ist sie deshalb keine abstrakte Größe.


Fazit

Das Interesse an Lebendigen Informationen zur Geschichte ist von den Medien als brachliegender Acker erkannt worden. Seitdem zeigen immer neue Gruppen von Freiwilligen das Leben in der Steinzeit, auf einem Schwarzwald-, Bauern- oder Gutshof um 1800, 1900 und dergleichen. Es scheint lediglich eine Frage der Zeit, wann auch hier die Übersättigung des Publikums erreicht ist. Denn das Erlebnis mag für die [Zeitreisenden] eine einschneidende Erfahrung sein, für die [Couch-Potatoes] ist es wieder nur ein geruchs-, geschmacks- und gefühlloses, abstraktes, zweidimensionales Ereignis.